Interview mit Paul Mertes (SEO Agentur)


Auf dem SEO-Day in Köln konnte ich den Inhaber einer SEO- und Online-Marketing Agentur Paul Mertes zu einem Interview über seine Arbeit überreden.  

Frage 1:
Paul, du besitzt ja eine Agentur für Marketing- und Vertriebsoptimierung für den Mittelstand.

Die Marketingaktivitäten haben sich ja in den letzten Jahren stark in den Online Bereich verlagert.
Was wird da im Moment von deinen Kunden an Leistungen am meisten nachgefragt.

Unsere Kunden wollen mehr Umsatz machen! Teilweise mit den aktuellen, manchmal aber auch mit anderen Zielgruppen. Danach richten wir unsere Maßnahmenvorschläge aus, die sich zu 90% auf Online-Marketing fokussieren und nur noch selten traditionelle Marketing-Kanäle berücksichtigen, weil die Effizienz im Online-Marketing einfach unschlagbar ist.  

Für das Online-Marketing orientieren sich unsere Vorschläge dann an den Zielgruppen, die der Kunde ansprechen will bzw. nach unseren Analysen ansprechen sollte. Google (SEO und SEA) ist da immer ganz vorne dabei, gefolgt von Facebook (aber mit einem deutlichen Abstand).

Ab und an empfehlen wir noch Instagram, Twitter, YouTube und LinkedIn. Das war es dann aber auch im Wesentlichen.

Klar, es gibt hier und da auch Nischen, die wir uns anschauen und mit Nischenlösungen bedienen, aber da reden wir dann von Ausnahmen. Die Masse unserer Kunden wird über die vorgenannten Kanäle zum Erfolg geführt.


Online Business Ideen

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Frage 2:
Du bist mit eurer Firma ja schon lange im Bereich Marketing/ Vertrieb am Markt! Was denkst du sind die Online-Marketing Trends der nächsten Jahre? Wie müssen sich mittelständische Firmen umstellen? Worauf sollten Sie achten?

Da es immer noch Unternehmen gibt, die kein Online-Marketing machen (meistens inhabergeführte Traditionsunternehmen), sollten sich diese Unternehmen darauf einstellen, dass ihre Tage gezählt sind, wenn sie sich hier nicht endlich bewegen.

Das gilt sowohl B2C als auch B2B.

Im Online-Marketing selbst wird es in den nächsten Jahren voraussichtlich keine neuen Mega-Trends geben. Ich rechne vielmehr damit, dass sich die aktuellen Trends festigen werden. Da ist z.B. die Verlagerung von Desktop auf SmartPhones, wo wir heute –je nach Branche- schon bei 40% bis 80% mobiler Web-Nutzung liegen.

Das wird weiter wachsen und entsprechend müssen die Angebote im Web ausgerichtet werden. Hinzu kommen andere Endgeräte, wie ALEXA & Co. und damit die Ausweitung der sprachgesteuerten Suche und Bestellung.

Das sind die Herausforderungen der nächsten Jahre, denen wir uns gemeinsam mit unseren Kunden stellen müssen.

Die klassische Webseite als Vertriebsmagnet wird an Bedeutung verlieren, auch weil sich Google immer mehr weg von der Suchmaschine hin zur Antwortmaschine entwickelt, den Traffic also gleich auf der eigenen Seite halten will und ihn den Webseiten damit entzieht.


Frage 3:
Wie sieht so die typische Arbeit für eure Kunden aus? Ist es mehr Suchmaschinenoptimierung, PPC oder eine Mischung aus vielen Online Marketing Themen?

Das hängt stark von der Zielgruppe des Kunden und der Entwicklungsphase ab, in der sich ein Kunde befindet. Wer sich dem Thema Online-Marketing erstmals nähert, der kommt erstmal nicht um PPC-Lösungen herum, weil Suchmaschinenoptimierung Zeit braucht, um Wirkung zu zeigen.
In dieser Phase (meist 1 bis 4 Monate) laufen PPC und SEO parallel. Später wird dann justiert.
Zielgruppen, die aus verschiedensten Gründen nicht per SEO erreicht werden können, müssen weiterhin mit PPC-Lösungen angesprochen werden.
Der Rest kann dann aus dem PPC-Marketing herausgenommen werden.
Wir haben aber auch Kunden, die mit den Nachfragen, die wir über SEO generieren, schon so überfordert sind, dass sie keine weiteren Kunden mehr bedienen können. In diesen Fällen schalten wir natürlich auch alle PPC-Kampagnen ab, bis der Kunde expandiert hat und weiter wachsen will.

Frage 4:
Für wie wichtig hältst du E-Mail Marketing zur Unterstützung des Online Marketings eines mittelständischen Unternehmens?


Auch wenn ich oft höre, wie erfolgreich E-Mail-Marketing bei der Neukunden-Akquise sein soll: Dort, wo wir es eingesetzt haben, waren die Erfolge im Vergleich zu SEO und SEA so untergeordnet, dass kein vertretbares Kosten-Nutzenverhältnis bestand.

Wir haben aktuell nur einen Kunden, der noch E-Mail-Marketing bei der Neukunden-Akquise nutzt, wo die Kampagnen aber auch im Vergleich zum SEO/SEA de facto nichts bringen.
Für den gleichen Aufwand an Zeit und Geld, könnte dieser Kunde mit SEO/SEA ein Vielfaches an Umsatz generieren. Anders sieht es bei der Pflege von Bestandskunden aus. Da kann ein geschicktes E-Mail-Marketing den Umsatz durchaus steigern.


Frage 5:
Ihr nimmt ja im Moment keine neuen Aufträge mehr an, was ja auch den Handlungsbedarf in Online Marketing zeigt.
Was würdest du Unternehmen raten zu tun, um auch in Zukunft erfolgreich Marketing betreiben zu können?

Die Unternehmen sollten sich eine gute Online-Marketing-Agentur suchen und diese nie wieder verlassen. Alleine wird es kein mittelständisches Unternehmen schaffen, die ständig wechselnden und umfassenden Anforderungen im Online-Marketing erfolgreich umzusetzen.
Auch Inhouse-Marketer haben es da schwer, da ihnen die tägliche Erfahrung aus verschiedenen Projekten fehlt, ohne die es nicht geht.

Und wie findet man eine gute Online-Marketing-Agentur? Empfehlung und Praxistest. Wenn die Agentur nur mit hippen Schlagworten um die Ecke kommt, die Mitarbeiter statt am Arbeitsplatz auf trendigen Conventions unterwegs sind (auf denen sich die Branche zumeist nur selber feiert) und wenn die Agentur nur beeindruckende Folien und Statistiken liefert, aber beim Kunden kein Umsatz wachsen will, dann weiterziehen.
Mittelständische Kunden sollten auch genau hinschauen, wenn die Agentur mit zigtausenden von Kunden prahlt, zugleich aber nur eine Handvoll Mitarbeiter hat. Da reicht schon das kleine Einmaleins um zu erkennen, welche Qualität und individuelle Betreuung man hier erwartend darf.
Die Agentur sollte von der Größe her auch halbwegs zur eigenen Unternehmensgröße passen, um auf Augenhöhe arbeiten zu können. Die Erfolgsquote, eine gute Agentur zu finden, schätze ich dabei auf unter 10%. Wir erleben das übrigens seit Jahren bei der Suche nach SEO-Nachwuchs. Wir haben einige derer ausprobiert, die sehr ahnungs- und verheißungsvoll daherkamen, aber in der Praxis nur an der Oberfläche dessen kratzen konnten, was wir unter gutem SEO verstehen.
Es fehlte an fundiertem SEO-Wissen und dem Willen zur kontinuierlichen, an den spezifischen Anforderungen des Kunden orientierten Arbeit.

Daher der Tipp vom Anfang nochmal wiederholt: Wer eine Online-Marketing-Agentur gefunden hat, die den eigenen und nicht den Agentur-Umsatz deutlich steigert (oder in einem schärfer gewordenen Wettbewerb hält), der sollte sie gut festhalten.